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Informationen zur aktuellen Ausgabe
4-2009
Themenschwerpunkt:
Sicherheitsaspekte zukünftiger Rohstoff versorgung
Security Aspects of Future Resource Supply
Editorial
Es ist historisch gesehen nichts Neues, die Versorgung mit
Rohstoffen, die im eigenen Land nicht ausreichend vorhanden
sind, als ein zentrales sicherheitspolitisches Problem anzusehen.
Insbesondere hochindustrialisierte Gesellschaften und
ihre Ökonomien sind in hohem Maße von Rohstoffimporten
abhängig. Ereignisse wie der Irakkrieg 2003 oder der Gasstreit
zwischen der Ukraine und Russland bewirken, dass das Thema
Ressourcenversorgung auf der tagespolitischen Agenda bleibt.
Auch scheinbar rein ökonomische Fragen wie die Trassenführung
von Gaspipelines – Stichwort: Nabucco versus Southstream
– werden vornehmlich unter sicherheitspolitischen Aspekten
wie etwa der Verlässlichkeit des Zuflusses von Gas nach
Europa diskutiert.“
Die Frage, wie die Sicherheit der Rohstoffversorgung am besten
zu gewährleisten ist, hat viele Seiten: von der Reduzierung der
Importabhängigkeit über die Lage in den Produzentenländern
bis hin zu Maßnahmen, einschließlich militärischen, die den
Zugang zu Rohstoffquellen sichern. Die Beiträge in diesem
Heft können nur ausgewählte Aspekte dieses vielschichtigen
Themas behandeln. Im Zentrum steht dabei allerdings stets die
Frage, wie in Zukunft die Sicherheit der Rohstoffversorgung gewährleistet
oder sogar verbessert werden kann. Edgard Gnansounou, Experte für ökonomische und technische
Fragen der Energieversorgung, diskutiert in seinem Beitrag
die zukünftige Energieversorgung auf der Grundlage von
Prognosen der Internationalen Energieagentur (IEA). Dabei
arbeitet er die Problematik sowohl unter dem Aspekt der Versorgungssicherheit
als auch der Eindämmung von Folgewirkungen
des Klimawandels heraus. Vorgestellt wird ein vom ihm
entwickelter Indikator für das Potenzial der Industrieländer
(OECD-Mitgliedstaaten) im Umgang mit Problemen der Versorgungssicherheit.
Dieser Indikator führt ihn zu dem Schluss,
dass radikale Veränderungen in der Struktur der Energieversorgung
notwendig sind und erneuerbare Energien hierbei einen
zentralen Platz einnehmen müssen.
Auf der gleichen Grundlage argumentiert Michael Klare, Autor
des Buches „Blut und Öl“. Dort stellt er die These auf, das wir
in Zukunft häufiger Kriege zu erwarten haben, in denen es um
Rohstoffe und deren Verteilung gehen wird, sollte es nicht zu
einer strukturellen Änderung der Energiepolitik kommen. In
seinem Beitrag für Sicherheit und Frieden knüpft er an diese
These an, indem er die ersten Schritte der Regierung Obama
in der Energiepolitik untersucht. Obwohl er bei der neuen USAdministration
einen erkennbaren Willen zu Veränderungen
diagnostiziert, ist seine Bilanz insgesamt eher ernüchternd.
Was geschieht, wenn die Wende in der Energiepolitik ausbleibt?
Werden Auseinandersetzungen über die Öl- und Gasversorgung
zunehmen? Thomas Roithner argumentiert in seinem
Beitrag, dass die NATO und die Europäische Union (EU) bereit
und in der Lage wären, die Energieversorgung im Zweifelsfall
auch mit militärischen Mitteln zu erzwingen. Anhand der Analyse
einschlägiger Dokumente kommt er zu dem Schluss, dass
es sich hierbei nicht nur um abstrakte Gedankenspiele handelt.
Vielmehr hat die „militärische Option“ bereits Eingang in die
Strategiekonzepte dieser beiden internationalen Organisationen
gefunden.
Energierohstoffe mögen in der öffentlichen und politischen
Wahrnehmung zum Thema Versorgungssicherheit von besonderer
Bedeutung sein, tatsächlich sind sie aber nur ein Teil eines
ganzen Problemkomplexes. Dies führt uns Heinrich Kreft vor
Augen. Er beleuchtet in seinem Beitrag die Bedeutung mineralischer
Rohstoffe für die Bundesrepublik Deutschland. Einige
dieser Rohstoffe sind insbesondere für die deutsche Wirtschaft
unerlässlich. Um die Sicherheit zukünftiger Versorgung zu gewährleisten,
empfiehlt er einen umfassenden Politikansatz, der
Aktivitäten wirtschaftlicher und politischer Akteure auf nationaler,
europäischer und globale Ebene miteinander verzahnt.
In dem Beitrag von Helmut Bleischwitz werden zwei internationale
Aspekte der zukünftigen Sicherheit der Rohstoffversorgung
weiter ausgeführt, die auch Heinrich Kreft zuvor
betont hatte: Zum einen geht es um das Problem des „Ressourcenfluchs“.
Viele Länder, die über umfangreiche Rohstoffvorkommen
verfügen, sind dennoch besonders arm und instabil.
Der Beitrag zeigt zum zweiten, dass dieser Fluch nicht unabänderlich
ist, sondern dass arme Staaten durchaus von ihrem
Rohstoffreichtum profitieren können. Dazu bedarf es allerdings
geeigneter Rahmenbedingungen. Der Beitrag zeigt dies am Modell
eines weltweiten Systems von Regeln und Institutionen,
das vom Autor und seinen Kollegen entwickelt worden ist.
Dieses System kann sowohl zu mehr Versorgungssicherheit als
auch zu einer höheren Entwicklung in den Produzentenländern
führen.
Alyson Bailes stellt schließlich im ihrem Beitrag die grundsätzliche
Frage, ob das Bemühen um einen Abbau von Versorgungsabhängigkeit
von außen nicht der falsche sicherheitspolitische
Ansatz ist. Sie argumentiert, dass die gegenseitige wirtschaftliche
Abhängigkeit eine gute Grundlage auch für politische
Kooperation darstellt. Das Streben nach Autarkie nehme hingegen
der internationalen Politik diesen wichtigen Anreiz zur
Zusammenarbeit. Sie empfiehlt einen anderen Blick auf das
Problem der Rohstoffversorgung – einen, der nicht von nationalen
Interessen, sondern von der Ausstrahlung eines gemeinsamen
wirtschaftlichen Nutzens auf weltpolitische Probleme
angeleitet ist.
Außerhalb des Themenschwerpunkts beschäftigen sich Sven Chojnacki,
Maurice Herchenbach und Gregor Reisch in der Reihe „Perspectives
on War“ mit der Problematik militärischer Interventionen. Thomas Horlohe
analysiert kritisch die neue Strategie der Regierung Obama für Afghanistan
und Pakistan. Laura Ryseck und Margret Johannsen diskutieren
in ihrem Beitrag das schwierige Umfeld, in dem die United Nations Relief
and Works Agency for Palestine Refugees in the Near East (UNRWA) ihre
Aufgabe zu erfüllen versucht. Knut Ipsen zeichnet in seinem Beitrag,
der die jährliche Dieter S. Lutz-Vorlesung am IFSH dokumentiert, die gegenwärtige
völkerrechtliche und verfassungsrechtliche Debatte über den Begriff der
Verteidigung nach und mahnt zu einem sorgsamen Umgang mit diesem Begriff.
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